Oikos-Verein

Die Arbeit von Schwester Paésie mit Straßen- und Slumkindern

Oikos unterstützt die Arbeit einer französischen Ordensfrau, die sich um die allerärmsten der Kinder Haitis kümmert. Bevor wir über ihre Arbeit berichten kommen hier zunächst einige Zeilen über die Situation in Haiti.
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Haiti

Zusätzlich zu beispiellosem Hunger und Unterernährung, der wirtschaftlichen und politischen Krise ist Haiti mehr denn je von Bandengewalt heimgesucht. Diese bewaffneten Banden (mit schweren Waffen, auch Kriegswaffen) kontrollieren nun etwa 80 % der haitianischen Hauptstadt und einen Teil des restlichen Landes.

Plünderungen, Brände, Morde, Entführungen und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Es herrscht das pure Grauen. Als Reaktion auf die anhaltende Gewalt der Banden und die allgemeine Unsicherheit hat die Zahl der "Volksjustiz"-Bewegungen oder Selbstverteidigungsgruppen zugenommen. Es kommt zu Lynchmorden. Einwohner jagen und töten Personen, die sie der Zugehörigkeit zu Banden verdächtigen. Die Lage ist völlig außer Kontrolle geraten. Die Bevölkerung ist verzweifelt. Sehr viele Einwohner fliehen aus ihren Häusern und Stadtvierteln. Die Zahl der Vertriebenen geht in die Hunderttausende.

Die UNO beschreibt immer wieder den Alptraum, den die Haitianer erleben: Scharfschützen auf den Dächern, Entführungen, angegriffene Schulen, Vergewaltigung als Waffe ... Die Exekutiv-Sekretärin von UNICEF, Catherine Russel, beschreibt nach ihrer Rückkehr aus Port-au-Prince: "Inmitten all dieses Grauens leiden die Kinder unendlich und leben in Angst. Es gibt unzählige Waisenkinder, die auf der Straße leben."

Schwester Paésie

Die französische Nonne Schwester Paésie hat sich in Anlehnung an Mutter Teresa, in deren Orden sie 20 Jahre diente, für die Kinder des Slums "Cité Soleil" engagiert (geschätzte Einwohnerzahl 2009: 240 000; 2019 mehr als 400 000) und die Gemeinschaft "Famille Kizito" gegründet, die sich um Straßenkinder und die ärmsten Kinder der Slums kümmert.

Schwester Paésie stammt aus Nancy in Frankreich, wo sie mit ihren 6 Geschwistern in einer sehr gläubigen Familie aufgewachsen ist. Schon mit 15 spürte sie die Berufung, zu den Schwestern von Mutter Teresa aus Kalkutta zu gehen. Nach ihrem Abitur ist sie - genau an ihrem achtzehnten Geburtstag - in diesen Orden eingetreten. Ihr Noviziat absolvierte sie in Polen und wurde dann in verschiedene Länder geschickt: Grenada (Antillen, gehört zu Französisch-Guyana), Englisch-Guyana, Island und endlich 1999 Haiti. In Haiti ist sie seither geblieben. Sie sagt, dass sie gleich bei ihrer Ankunft in Haiti spürte, dass sie da angekommen war, wo sie sein sollte, wo Gott sie haben wollte.

Die Schwestern von Mutter Teresa hatten Krankenstationen. Da wurde und wird immer noch täglich gegen den Tod gekämpft. Unterernährung, Tuberkulose, Aids waren die größten Feine, denen man sich konfrontiert sah. Jahrelang widmete sich Schwester Paésie in diesen Krankenstationen den Armen Haitis. Sie arbeitete auch in den zwei Schulen der Schwestern. Dadurch wandte sich ihr Blick, ihr Herz immer mehr den Tausenden von Kindern zu, die in den Straßen von Port-au-Prince leben, vor allem den Kindern in den Slums, die ständig allen möglichen Gefahren ausgesetzt sind. Es wurde wie ein neuer "Ruf": sie empfand die innere Notwendigkeit, sich diesen Kindern zu widmen. 2017 bekam sie von ihrer Hierarchie und von dem Erzbischof von Port-au-Prince die Genehmigung, eine neue Gemeinschaft zu gründen, die sich diesen Kindern widmet. Sie nannte diese neue kleine Kongregation "La Famille Kizito" nach einem 14-jährigen Heiligen aus Schwarz-Afrika.

Einige junge Haitianer, die von ihr in den Schulen von Mutter Teresa unterrichtet worden waren, hatten vorher schon von sich aus angefangen, Kindern in den Slums zu helfen. Sie hatten Schwester Paésie um Unterstützung gebeten. Sie wurden ihre ersten Helfer und bilden jetzt den Kern des großen Teams, das um sie herum arbeitet.

Sie hat eine große Mannschaft von engagierten jungen Haitianern und Haitianerinnen. Dann sind natürlich auch andere Schwestern da, die in die "Famille Kizito" eingetreten sind. Es sind meistens junge Haitianerinnen. Sie sagen wie die jungen Männer: "Mir ist in den Schulen sehr geholfen worden; ich weiß, wo ich gelandet wäre, wenn das nicht gewesen wäre. Ich will jetzt selber Kindern helfen!"

Das Wirken von Schwester Paésie in Port-au-Prince ist sehr vielfältig und entwickelt sich sehr schnell. Es ist voll und ganz den Ärmsten unter den Kindern Haitis gewidmet - den Straßenkindern, den Kindern aus den Slums, vorrangig aus Cité Soleil, dem größten Slum von Port-au-Prince.

Bestandsaufnahme im Sommer 2024:

Sie hat inzwischen 6 Heime, in denen insgesamt 165 Kinder untergebracht sind: Jungs und Mädchen.

Sie hat 8 Schulen, in denen 1450 Kinder unterrichtet werden und eine warme Mahlzeit am Tag bekommen. Eine neunte Schule entsteht gerade.

Sie organisiert Religionsunterricht an Samstagen und Sonntagen. Die Kinder sollen einerseits ein gutes ethisches Fundament bekommen, das ihnen hilft, dem allgemeinen Klima von Korruption, Betrug und Gewalt zu widerstehen, und andererseits sollen sie am Wochenende "von der Straße wegkommen", wo sie vielen schlechten Einflüssen und Gefahren ausgesetzt sind (die Gang-Mitglieder bilden zum Beispiel kleine Jungs sehr früh aus, um aus ihnen Nachwuchs zu machen).

Sie organisiert Nachmittagsaktivitäten im Slum, wenn die Schule aus ist: Nähen, Sticken, Basteln, Töpfern, mit Leder arbeiten..., sich mit verschiedenen Handwerken vertraut machen, Sport (Fußball, Basketball), Tanz, Musik.

Und sie hilft punktuell in vielen Situationen, wo Menschen in eine besondere Not geraten. Seit 2019 hat sie vielen Familien geholfen, die aus ihren Hütten im Slum fliehen mussten. Ihre Schulen beherbergten oft viele Flüchtlinge. Ihre Heime nahmen viele zusätzliche Kinder auf.

Sie stützt sich

-auf ihre Mitschwestern. Diese Frauen haben ihr Leben der Aufgabe gewidmet, den Kindern zu helfen und sind sehr engagiert und ohne Einschränkung für die diversen Projekte zur Verfügung.

-auf eine Gruppe von jungen Haitianern und Haitianerinnen, die auch ihr Leben dem Wohl ihrer "kleinen Brüder und Schwestern", wie sie sie nennen, gewidmet haben. Diese jungen Leute haben ein Ideal, sind engagiert und die Älteren unter ihnen sind ausgebildet. Alle arbeiten daran, sich fortzubilden. Sie bekommen Kost und Logis und es wird ihnen die Aus- oder Fortbildung bezahlt.

-auf einige katholische Priester.

-auf eine sehr große Gruppe von Angestellten - von den Lehrern zu den Köchinnen, Fahrern usw... Sie werden "haitianisch bezahlt", das heißt wenig. Aber sie wissen, dass Schwester Paésie alles versuchen wird, um ihnen zu helfen, wenn sie in Not sind.

Schwester Paésie bekommt finanzielle Unterstützung durch

-einen französischen gemeinnützigen Verein, die "Famille Kizito Haiti-France".

-eine amerikanische Stiftung: "Reiser Relief", und einen amerikanischen Verein "The Kizito Familiy".

-zwei deutsche Vereine: die Haiti Kinder Hilfe und den OIKOS e.V..

-Punktuell durch viele Menschen und Organisationen, die sie "ruft", wenn Not am Mann ist, sprich: wenn kein Geld mehr da ist!

.und punktuell wird sie immer wieder durch die französische Botschaft unterstützt, die total hinter ihr steht und versucht zu helfen, wo es nur geht. Die haitianischen Behörden: das IBESR (Sozialamt und Jugendamt in einem), die Gemeinde (der Bürgermeister ganz besonders) stehen auch voll hinter ihr und versuchen, ihr zu helfen.

2022 und 2023 ist ihr Werk aufgrund der schrecklichen Bandenkriegssituation im Land enorm gewachsen. Im Herbst 2022 nahm sie zum Beispiel 60 zusätzliche Kinder in ihren Heimen auf, die aus allen Nähten platzten - Waisenkinder, deren Eltern aufgrund des "Krieges", dessen Zentrum ihr Slum war, ums Leben gekommen sind. Und Ihre Schulen nahmen mehr als 400 zusätzliche Kinder auf.

Für all diese Projekte braucht sie natürlich Geld! Alle Spenden sind willkommen.

Berichte der Arbeit Sr. Paésies

  1. Haiti und das Werk von Schwester Paésie
  2. Schwester Paésies Arbeit in Haiti 2021
  3. Bericht Kizito Nov. 2021-März 2022
  4. Bericht Kizito April-Dezember 2022
  5. Bericht Kizito Jan- August 23
  6. Bericht Kizito Aug 23 - Jan 24
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